Zwei der erfolgreichsten Spiele des letzten Jahres waren ein Rollenspiel von einem französischen Entwickler und ein Metroidvania mit dem Ruf, bockschwer zu sein. Was bekommen wir also, wenn wir diese beiden Fakten mischen? Ein forderndes Metroidvania namens MIO: Memories in Orbit vom französischen Entwickler. Und dieses muss sich vor Expedition 33 und Silksong durchaus nicht verstecken, wie wir euch in unserem Test zeigen werden.
Eine Robo-Retterin
Wir erwachen als kleiner Roboter Mio an Bord eines gigantischen Raumschiffs namens „Das Gefäß“. Dieses hat schon mal bessere Tage gesehen, seine Biome sind komplett zerfallen. Mit einer Mischung aus mechanischen und natürlichen Elementen ist das Gefäß fast schon lebendig und unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Organe aufzuspüren und zu heilen. Zu ihnen zählen die Hand, das Rückgrat, das Auge, das Blut, das Herz und der Atem.
Was die Erzähltstruktur von MIO angeht, so verhält es sich wie mit vielen anderen Vertretern des Genres. Die Geschichte wird uns nur stückchenweise zugeführt, entweder durch Gespräche mit NPCs oder mit zurückgelassenen Nachrichten, die wir finden können. Wer also das vollumfängliche Bild der Handlung erleben möchte, der muss sich alles genau anschauen und darf dabei nicht davor zurückschrecken, dass alles etwas kryptisch ist. Die Welt von MIO ist mysteriös und faszinierend und hat man die Zusammenhänge erst einmal aufgedeckt, entsteht eine interessante Narrative.
Die Geschichte der Spielwelt wird viel durch Bilder im Hintergrund erzählt. | Bild: 2026 © Douze Dixièmes
Das M in MIO steht für Metroidvania
Mit jeder neuen Review, die ich für euch über ein weiteres Metroidvania schreibe, muss ich mir immer wieder neu einfallen lassen, wie ich euch den groben Spielablauf beschreibe, ohne repetitiv zu werden. Denn auch MIO ist ein klassisches Metroidvania mit einer frei erkundbaren Karte, wo es an manchen Stellen nur mit bestimmten Fähigkeiten weitergeht, die wir anderswo erhalten. In der Zwischenzeit finden wir verschiedene Gegenstände wie etwa Lebenserweiterungen oder seltene Währungen, besiegen knackige Bossgegner und meistern knifflige Platforming-Abschnitte.
Wie auch andere Genrevertreter gibt es einiges zu entdecken. So lassen besiegte Gegner Perlmutt fallen, was wir entweder als Währung im Shop ausgeben können oder an bestimmten Schalen unsere Lebensenergie damit wieder auffüllen. Ja, sich heilen kostet in MIO Geld und das brauchen wir ziemlich oft, denn das Spiel gibt uns teilweise sehr ordentlich auf die Mütze.
Der größte Gegner ist man oft selbst
Letztes Jahr sorgte Hollow Knight: Silksong mit seinem Schwierigkeitsgrad für einiges an Diskussionen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich dies nun auf alle etwas fordernderen Metroidvanias auswirken wird. MIO zumindest wird ebenfalls unter diesem Aspekt beäugt und ja, man muss schon sagen, das ist schon eine ordentliche Herausforderung. Genre-Neulinge dürften sich an diesem Spiel wohl ebenso die Zähne ausbeißen wie an Silksong. Besonders im späteren Spielverlauf wird die Schwierigkeitskurve ordentlich angezogen, aber auch schon zu Beginn ist MIO ein gutes Stück Arbeit. Das liegt unter anderem daran, dass man erst etwas später Zugang zur Einsicht in die Karte gewährt wird, aber auch an der wenigen Lebensenergie kombiniert mit diversen Hindernissen. Vor allem einige Platforming-Abschnitte haben es in sich. Besonders gut wird nicht kommuniziert, wo man in solchen Herausforderungen als nächstes hin muss, sodass viele Sprünge ins nichts stattfinden und man sich mit jedem Fehlversuch nach und nach vortastet.
MIO ist sich selbst aber durchaus bewusst, dass es etwas kniffliger ist und so wurden ein paar Hilfsoptionen eingebaut. Mit einer Option könnt ihr zum Beispiel einstellen, dass Gegner euch nicht angreifen, solange ihr sie auch nicht attackiert. Option 2 sorgt dafür, dass ihr einen zusätzlichen Schutzmantel erhaltet, wenn ihr eine Weile stehenbleibt. Und die für viele wohl interessanteste Option sorgt dafür, dass Bosse mit jedem Fehlversuch ein Stückchen einfacher werden sollen. Hier wurden ein paar clevere Ideen gefunden, das Spiel stellenweise etwas zu vereinfachen, sollte die Herausforderung zu groß für euch sein.
Ein bisschen rummodden
Ebenfalls zu eurem Vorteil sind die ganzen Mods, die ihr finden könnt. Diese stellen in MIO eure ausrüstbaren Verbesserungen dar, kosten euch aber auch Speicherplatz. Ihr müsst eine Mod installiert haben, um euch den Status von Mio anzeigen zu lassen oder auch die Lebenspunkte der Gegner zu sehen. Aber auch noch größere Vorteile sind mit von der Partie wie etwa ein erhöhter Schaden, entweder wenn ihr Schaden erlitten habt oder beim letzten Schlag einer Kombo, oder vielleicht wollt ihr doch lieber eine zusätzliche Schutzschicht. So könnt ihr Mio nach euren Belieben modifizieren, manchmal sogar mit ein wenig Risiko im Gegenzug für eine noch bessere Verbesserung.
Neben Mods gibt es natürlich die gängigen Fähigkeiten, die man so bei einem Platformer erwarten kann. Den Doppelsprung haben wir sogar schon von Beginn an. Dafür kommen dann so Geschichten wie ein Greifhaken, eine Ausweichfähigkeit und die Möglichkeit, in der Luft zu schweben, mit dazu. Mit jeder neuen Fähigkeit eröffnen sich natürlich auch viele neuere, komplexere Platformingabschnitte. Und grundsätzlich sind diese sehr machbar, da Mio sich sehr geschmeidig steuern lässt. Doch ab und zu gibt es Schwierigkeiten mit dem Greifhaken. Die Entfernung, bei welcher er noch gerade so funktioniert, ist nicht immer gut abzuschätzen und manchmal schleudert er Mio in eine Richtung, mit der man nicht rechnen würde. Eine so wichtige Mechanik für das Platforming sollte einwandfrei funktionieren, hier haben wir aber ein paar Problemchen entdeckt.

Das Platforming ist echt knifflig und stellenweise recht unübersichtlich. | Bild: 2026 © Douze Dixièmes
Bereits jetzt das schönste Spiel des Jahres
Was bei MIO direkt ins Auge fällt, ist, dass es ins Auge fällt. Es ist einfach schlichtweg ein wunderschön anzuschauendes Spiel. Der Grafikstil ist ein einzigartiger Mix aus handgezeichneten Bildern und einem 3D-Effekt. Alle sich bewegenden Objekte sehen jederzeit so aus, als wären sie auf einem Blatt Papier mit Stiften gezeichnet worden und dann zum Leben erwacht und den Seiten entsprungen. An jeder Stelle im Spiel gibt es eine beeindruckende Szenerie, die man einfach nur aufsaugen möchte. Atmosphärisch begleitet wird dies alles von einem Soundtrack mit einem Mix aus elektronischem Synthie-Pop und fast schon kirchlich anhauchenden, epischen Chören. Bei der Präsentation lässt Mio keine Wünsche offen, es ist einfach nur ein spielbares Kunstwerk.
Titelbild: 2024 © Douze Dixiemes
Fazit zu MIO: Memories in Orbit
MIO: Memories in Orbit reiht sich problemlos in die besseren Metroidvanias ein, die ich gespielt habe. Die Steuerung ist, bis vielleicht auf ein paar Aspekte bezüglich des Greifhakens, absolut on point, die Kämpfe sind spannend und fordernd und als Gesamtpaket ist es einfach nur extrem schön anzuschauen. Ja, der Schwierigkeitsgrad ist stellenweise etwas happig und nicht alles wird den Spieler*innen ausreichend erklärt, also ist dieses Spiel wohl eher nichts für Einsteiger im Metroidvania-Genre. Doch für Fans des Genres ist dieses Spiel in jedem Fall einen Blick wert.
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