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Test: God of War: Sons of Sparta – Das etwas andere Kratos-Abenteuer

Es gibt Ankündigungen, die das Internet spalten. Die Ankündigung von God of War: Sons of Sparta war eine davon. Ein 2D-Ableger der ehemals dreidimensionalen Vorzeigemarke von PlayStation, entwickelt von einem kleinen internen Team bei Santa Monica Studio, das sichtlich von der Popularität des Metroidvania-Genres inspiriert wurde. Die Reaktionen reichten von vorsichtiger Begeisterung bis zu offenem Unverständnis. Jetzt, nach knapp dreizehn Stunden mit dem fertigen Spiel, lässt sich sagen: Sons of Sparta ist weder das erhoffte Meisterwerk noch das befürchtete Desaster. Es ist ein Spiel mit Licht und Schatten und sicherlich nicht für jeden Fan von God of War gemacht ist. Aber ist es was für dich?

 

Es will viel erzählen

Sons of Sparta versetzt den Spieler in eine Zeit, bevor Kratos zum Geist Spartas wurde. Erzählt wird die Geschichte zweier junger spartanischer Krieger: Kratos und Deimos. Das Fundament klingt solide, und die ersten Spielstunden legen tatsächlich eine beachtliche Fallhöhe an. Das Problem offenbart sich schleichend: Sons of Sparta weiß zu Beginn noch nicht, welche Geschichte es eigentlich erzählen möchte. Mal ist es ein Kriegsdrama über Brüderschaft und spartanischen Ehrenkodex, mal ein mythologisches Rachefeldzug-Epos, mal ein scheinbar nachdenkliches Porträt eines Mannes, der noch die Wahl hätte, anders zu werden als das Monster, das wir kennen. Diese Ambition ist lobenswert, aber das Drehbuch scheitert daran, diese Fäden sauber zusammenzuführen.

Deimos als Figur ist das deutlichste Symptom dieses Problems. Er wird in der ersten Hälfte mit Sorgfalt eingeführt, erhält Dialoge, die echte Tiefe andeuten, und wirkt wie das emotionale Gegengewicht zum stoischen Kratos. Doch im zweiten Akt verschwindet er für lange Abschnitte fast vollständig aus der Handlung.  Kratos selbst bleibt in seiner jungen Inkarnation merkwürdig blass. Und das, obwohl Sons of Sparta so viele Dialoge beinhaltet, wie kaum ein zweites Metroidvania. Aber das, was es vermittelt oder vermitteln will, kann man eigentlich insgesamt etwas ignorieren.

Das neue God of War erzählt viel, aber es erzählt es nicht immer interessant. | Bild © 2026 Sony Interactive Entertainment

 

Klingen statt Worte

Im Kämpfen liegt die eigentliche Stärke des Spiels. Santa Monica hat das Kampfsystem nicht einfach in zwei Dimensionen übersetzt, sondern für das Genre neu gedacht. Kratos verfügt über ein breites Arsenal an Manövern, das sich im Laufe des Spiels erweitert: Der Speer dient hier als Waffe und mit dem lassen sich Angriffe und Kombinationen ausführen. Die Attacken fühlen sich auch soweit griffig an und gerade wenn ich genügend gelbe Punkte im Spiel aufsammle, kann ich Spezialaktionen ausführen, die sich mit der Zeit in verschiedenen Skill Trees freischalten lassen.

Per Kreistaste kann man zudem eine Ausweichrolle ausführen und mit L1 könnt ihr den Schild zücken und die Defense ausspielen. Natürlich kann man mit perfekten Timing auch zum Konter ansetzen. Daraus entsteht ein guter Flow und das ist für mich auch dann der Moment, wenn mir der 2D-Titel am Meisten Spaß macht. Schön ist, dass Sons of Sparta dabei auch sehr zugänglich ist und für das Genre sogar noch relativ überschaubar im Schwierigkeitsgrad ist. Die Bosskämpfe ziehen allerdings sehr an und sind ordentlich knackig. Dies trifft weniger auf die Platforming & Puzzle-Passagen zu. Die sind relativ einfach zu meistern, auch weil Kratos natürlich andere Bewegungsmuster hat, als Ori oder Hornet. Dennoch bringt es Abwechslung rein und lockert das Spielprinzip auf.

Getrübt wird dieser Eindruck allerdings von einem spürbaren Gewichtsproblem. Kratos bewegt sich relativ schwer. Wer mit Hollow Knight, Ori oder auch dem zuletzt gefeierten Prince of Persia: The Lost Crown vertraut ist, wird die Leichtigkeit vermissen, mit der diese Spiele ihre Protagonisten durch den Raum bewegen. Platforming-Passagen, die in diesen Titeln wie ein Tanz wirken, fühlen sich bei Kratos allerdings spürbar schwerfälliger an. Das ist keine Fehlfunktion, sondern eine bewusste Designentscheidung. Aber auch wenn ich mich daran gewöhnt habe ist eine, die das Spiel von der Spitze des Genres fernhält.

God of War

Die Kämpfe fühlen sich recht wuchtig an. | Bild © 2026 Sony Interactive Entertainment

 

Leveldesign: Vorwärts, immer vorwärts

Eine der auffälligsten und erfreulichsten Entscheidungen von Sons of Sparta ist sein klarer Verzicht auf exzessives Backtracking. Wer in den letzten Jahren im Metroidvania-Genre unterwegs war, kennt das Phänomen: stundenlange Odysseen zurück durch bereits gesäuberte Areale, nur um mit einem neu erworbenen Skill eine bislang verschlossene Tür zu öffnen, hinter der sich dann ein Upgrade versteckt, das man für den nächsten Rückweg braucht.

Sons of Sparta geht einen anderen Weg. Die Spielwelt ist zwar miteinander verwoben und bietet optionale Abzweigungen, Geheimnisse und versteckte Kammern, doch der Vorwärtsdrang bleibt stets erhalten. Collectibles und optionale Herausforderungen laden zum Erkunden ein, ohne den Spielfluss zu drosseln. Wer keine Lust auf Abstecher hat, folgt dem roten Faden und verliert dabei nichts Wesentliches. Diese Designphilosophie verleiht dem Spiel auch ein gutes Spieltempo: Man bewegt sich, man kämpft sich voran, man kommt an. Das mag puristische Metroidvania-Fans enttäuschen, die das Backtracking als integralen Teil der Erkundungsphilosophie verstehen – für den Großteil der Spielerschaft dürfte es jedoch eine willkommene Entscheidung sein. Klar kommt man auch hier und da wieder zurück, aber es ist spürbar zurückgefahrener. In die alten Gebiete lohnt sich eine Rückkehr für die ein oder andere Truhe, die anfangs noch nicht erreichbar ist. Aber das ist tatsächlich komplett optional.

God of War

Puzzle & Platforming-Passagen gehören auch dazu. | Bild © 2026 Sony Interactive Entertainment

 

Die Welt ist schön, aber…

Hier treffen die extremsten Gegensätze des Spiels aufeinander, und es ist unmöglich, über Sons of Sparta zu sprechen, ohne diesen Widerspruch beim Namen zu nennen. Die Hintergrundgrafiken sind schlicht und ergreifend wunderschön. Denn es verfolgt hier einen richtig schönen Pixelart-Stil, der detailliert und farbkräftig daherkommt. Griechische Küstenstädte, deren weiße Mauern sich im Abendlicht in warmes Orange tauchen, während Fischerboote auf einem handgepinselten Meer schaukeln. Unterweltpassagen, die in tintenschwarzen und lila Tönen leuchten, begeistern genauso wie die Wasserfälle inmitten der Berge. Die verschiedenen Ebenen von Hintergründen und Layern erzeugen eine räumliche Tiefe, die ich dem Spiel anfangs gar nicht zugetraut hätte.

Umso schmerzlicher wirkt der Kontrast, wenn der Blick auf die Spielfiguren und Gegner fällt. Während die Welt wie aus einem Guss wirkt, bewegen sich Kratos und seine Widersacher in einem Stil, der bestenfalls als solide und schlimmstenfalls als uninspiriert bezeichnet werden kann und sich sehr mit dem restlichen Art Design beißt. Die Charaktere sind in einem cleanen, leicht stilisierten Look gehalten, der an hochauflösende Cartoon-Sprites erinnert. Ich musste sehr an viele Spiele aus der Zeit des Nintendo DS denken. Dazu gefallen mir viele Animationen und Inszenierungen nicht. Während der vielen Unterhaltungen der Figuren wackeln diese nur sehr unbedarft mit den Armen. Die Sprites der Charaktere lassen es außerdem nicht zu, dass die Gesichter irgendwelche Animationen zulassen. Hier hätte mehr draus machen können, selbst wenn es eingeblendete Gesichter wären, wie etwa in Visual Novels. Aber so wirkt alles irgendwie distanziert.

God of War

In Bewegung kommt noch viel besser rüber, wie merkwürdig sich die Figuren ins Bild einfügen. | Bild © 2026 Sony Interactive Entertainment

 

Sound & Musik

Mick Gordon, der für Sons of Sparta als Gastkomponist gewonnen wurde, liefert einen Soundtrack, der das Spiel klanglich weit über den Durchschnitt hebt. Die Musik mischt orchestrale Wucht mit elektronischen Untertönen. Besonders in den Bosskämpfen entfaltet der Soundtrack sein volles Gewicht: Wenn das Schlagwerk einsetzt und die Chöre anschwellen, ist das pure Adrenalin für die Ohren. Dabei fängt God of War: Sons of Sparta sehr gut den Stil des Settings ein und kann mit seinen epischen Soundtracks mitreißen. Zwischendurch vermengt sich damit sogar noch Musik im 16-Bit-Stil und heraus kommt ein ganz, ganz toller Mix, der Laune für die Ohren bereitet.

Die Synchronisierung ist auf gewohnt hohem PlayStation-Niveau, auch wenn Deimos sich gerne etwas Anime-like anhört. Aber insgesamt wird hier auch in der deutschen Fassung ein guter Job gemacht!

God of War

Die Bosse sich durchaus knackig. | Bild © 2026 Sony Interactive Entertainment

 

Fazit zu God of War: Sons of Sparta

God of War: Sons of Sparta ist ein insgesamt gutes Spiel. Nicht mehr, nicht weniger! Es ist ein ambitioniertes, an manchen Stellen schöne Spiel mit einem Kampfsystem, das bei richtiger Beherrschung echte Befriedigung verschafft, einem Leveldesign, welches zugänglich ist, und einem Soundtrack, der richtig mitreißen kann.

Aber es ist auch ein Titel, der sichtbar mit sich ringt. Eine Narrative, die mehr verspricht als sie einlöst. Ein Art Design bei den Charakteren, das hinter der Pracht seiner eigenen Hintergrundgrafiken verblasst. Eine Spielfigur, die sich im Vergleich zu den wendigen Protagonisten des Genres etwas behäbig anfühlt. Diese Schwächen sind nicht trivial. Sie sind die Schwächen, die verhindern, dass Sons of Sparta auch ein Metroidvania ist, welches in der Champions-League mitspielen kann.

Was bleibt, ist ein solider, stellenweise begeisternder Ableger, der Fans der Reihe und Freunde des Genres gut unterhalten wird, solange sie ihre Erwartungen entsprechend daran anpassen. Allerdings empfinde ich den Preis von 30€ etwas zu hoch. Denn dafür hat das Genre zu viel Konkurrenz, die sogar noch mehr kann und sogar noch günstiger zu haben ist. Also wartet vielleicht noch ein bisschen, bis das Spiel mal im Angebot ist.

Christian Koitka (Redakteur)

Positiv:

Tiefes, belohnendes Kampfsystem mit viel Kombinationspotenzial
Hintergrundgrafiken sehen absolut klasse aus
Kein Backtracking – der Vorwärtsdrang bleibt erhalten
Starker Soundtrack
Inszenierung lässt zu wünschen übrig

Negativ:

Es wird viel erzählt und trotzdem narrativ wenig interessant
Art-Design der Figuren beißt sich stark mit den Hintergründen
Spielt sich insgesamt noch einen Tick zu behäbig

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Ab in die Sammlung?

Metroidvania-Fans können zugreifen, sollten aber evtl. warten, bis es mal im Sale ist.

Der Beitrag Test: God of War: Sons of Sparta – Das etwas andere Kratos-Abenteuer erschien zuerst auf NAT-Games.

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